Zum Hauptinhalt springen
StartseiteInfo Portal

Deutsch üben: Alltägliche Redewendungen und Sprichwörter

Besonderheiten der deutschen Alltagssprache kennenlernen, längste deutsche Wörter entdecken und damit Missverständnisse vermeiden.


Yones Aljuneidi - Aktualisiert 3. September 2026 | 05:47

12 Minuten
Mann mit Kopfhörern im Gespräch mit Kollegen am Schreibtisch

Im Deutschen gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen der Sprache aus Lehrbüchern und der tatsächlichen Alltagssprache. Redewendungen und Sprichwörter haben oft eine bildhafte Bedeutung, die sich nicht wörtlich übersetzen lässt – wer sie kennt, versteht Gespräche besser und kann leichter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Dieser Artikel stellt einige der bekanntesten Ausdrücke vor.

Deutsche Redewendungen

Deutsche Redewendungen sind feste sprachliche Ausdrücke, deren Bedeutung meist über die wörtliche Übersetzung hinausgeht. Sie werden im Alltag verwendet, um Gedanken, Gefühle oder Situationen anschaulich und lebendig auszudrücken. Die folgenden Redewendungen kommen im täglichen Sprachgebrauch besonders häufig vor.

Sich „aufs Ohr hauen“

Wenn jemand in Deutschland sagt, er möchte sich „aufs Ohr hauen“, ist damit nicht gemeint, dass er sich selbst verletzen möchte. Diese Redewendung wird vielmehr umgangssprachlich verwendet und bedeutet, dass man schlafen gehen oder sich für eine kurze Zeit ausruhen möchte. Besonders in informellen Gesprächen unter Freunden oder in der Familie ist dieser Ausdruck weit verbreitet.

Jemand macht „einen Strich durch die Rechnung“

Wenn man jemandem „einen Strich durch die Rechnung macht“, bedeutet das nicht, dass man tatsächlich etwas auf einer Rechnung durchstreicht. Vielmehr beschreibt diese Redewendung eine Situation, in der ein Plan oder ein Vorhaben unerwartet scheitert oder nicht wie geplant umgesetzt werden kann. So kann zum Beispiel schlechtes Wetter einem geplanten Ausflug einen Strich durch die Rechnung machen und dazu führen, dass er abgesagt werden muss.

Jemand ist „grün hinter den Ohren“

Wer „grün hinter den Ohren ist“, gilt als unerfahren und hat in bestimmten Lebensbereichen noch nicht genügend Wissen oder Erfahrung gesammelt. Die Redewendung geht auf den Vergleich mit unreifen Früchten zurück, die ebenfalls als „grün“ bezeichnet werden und beschreibt Menschen, die noch am Anfang von etwas stehen und daher noch viel lernen müssen.

Jemand „tanzt aus der Reihe“

Wenn jemand „aus der Reihe tanzt“, verhält er sich anders als die meisten anderen oder weicht bewusst von geltenden Regeln und Erwartungen ab. Diese Redewendung beschreibt Menschen, die durch eine ungewöhnliche Meinung, ein auffälliges Verhalten oder einen eigenen Lebensstil aus dem gewohnten Rahmen fallen.

Etwas „liegt wie Blei im Magen“

Ein unangenehmes Völlegefühl nach dem Essen wird mit dem Ausdruck „wie Blei im Magen liegen“ beschrieben. Gemeint ist, dass das Essen sehr schwer verdaulich war oder man zu viel gegessen hat, sodass man sich müde und unwohl fühlt.

Jemandem „Hals- und Beinbruch“ wünschen

Die Redewendung „Hals und Beinbruch“ klingt auf den ersten Blick negativ, ist jedoch als Glückwunsch gemeint. Sie wird verwendet, um jemandem vor einem wichtigen Ereignis wie einer Prüfung, einem Auftritt oder einem Wettkampf viel Erfolg zu wünschen.

Jemand ist „ein alter Hase“

Wer als „ein alter Hase“ bezeichnet wird, verfügt über viel Erfahrung und kennt sich in einem bestimmten Bereich besonders gut aus. Trotz der ungewöhnlichen wörtlichen Bedeutung handelt es sich um ein positives Urteil und wird als Anerkennung für Wissen und Können verstanden.

Jemand sagt „da stinkt der Hund“

Wenn jemand „da stinkt der Hund“ sagt, meint er damit, dass etwas nicht stimmt oder verdächtig erscheint. Die Redewendung wird häufig verwendet, wenn eine Situation unklar ist, eine Erklärung widersprüchlich wirkt oder ein Fehler vermutet wird.

„Das Handtuch nicht werfen“

„Das Handtuch nicht werfen“ bedeutet nicht aufzugeben, auch wenn eine Situation schwierig oder entmutigend ist. Die Redewendung stammt aus dem Sport und soll dazu ermutigen, weiterzukämpfen und trotz Rückschlägen dranzubleiben.

„Das kann kein Schwein lesen“

Ist eine Handschrift unleserlich oder ein Text besonders kompliziert formuliert, sagt man umgangssprachlich: „Das kann kein Schwein lesen“. Damit wird ausgedrückt, dass der Inhalt kaum oder gar nicht zu verstehen ist.

„Den Löffel abgeben“

Die Redewendung „den Löffel abgeben“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für „sterben“. Auch wenn sie humorvoll klingt, wird sie häufig in ernsten oder traurigen Zusammenhängen verwendet.

„Alter Schwede!“

Ein Ausruf wie „Alter Schwede!“ drückt starke Überraschung oder Erstaunen aus. Er wird zum Beispiel benutzt, wenn etwas Unerwartetes passiert oder eine Situation besonders beeindruckend ist und wird heute in ganz Deutschland regelmäßig verwendet.

„Mal angenommen“

Mit dem Ausdruck „mal angenommen“ leitet man eine hypothetische Situation ein. Die Redewendung hilft dabei, Gedankenspiele zu formulieren oder mögliche Szenarien zu erklären, ohne sich auf die Realität festlegen zu müssen.

„Alles in Butter“

Sagt jemand „Alles in Butter“, bedeutet das, dass alles in Ordnung ist und keine Probleme bestehen. Der Ausdruck geht auf das Mittelalter zurück, als empfindliche Waren wie Glas in Butter transportiert wurden, um sie vor Schäden zu schützen.

„Ich drücke dir die Daumen“

Mit der Redewendung „Ich drücke dir die Daumen“ wünscht man jemandem Glück und Erfolg. In Deutschland ist es üblich, beide Daumen zu drücken, etwa vor einer Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einem wichtigen Termin.

„Ich verstehe nur Bahnhof“, „Das kommt mir spanisch vor“

Wenn jemand sagt „Ich verstehe nur Bahnhof“, bringt er damit zum Ausdruck, dass er überhaupt nichts verstanden hat. Eine ähnliche Bedeutung hat die Redewendung „Das kommt mir spanisch vor“, die ebenfalls verwendet wird, wenn etwas unverständlich oder seltsam erscheint.

Deutsche Sprichwörter

Deutsche Sprichwörter fassen Erfahrungen oder Beobachtungen aus dem Alltag in knapper Form zusammen und geben häufig Ratschläge oder Lebensweisheiten weiter, die über Generationen hinweg überliefert wurden. Diese Sprichwörter werden im deutschen Alltag besonders häufig verwendet werden.

„Des Teufels liebstes Möbelstück ist die lange Bank“

Dieses Sprichwort warnt davor, unangenehme Aufgaben aufzuschieben. Gemeint ist: Wer zu lange wartet oder Dinge hinauszögert, bringt sich selbst in Schwierigkeiten. Die „lange Bank“ steht dabei bildhaft für das Aufschieben und das damit verbundene Verzögern wichtiger Entscheidungen oder Aufgaben.

„Wer rastet, der rostet“

Eine Erinnerung daran, dass man aktiv bleiben sollte, um nicht an Fähigkeiten, Energie oder Motivation zu verlieren. Wer sich zu lange ausruht oder nichts unternimmt, kann im übertragenen Sinne „einrosten“, also schwächer werden oder an Energie verlieren.

„Aus Schaden wird man klug“

Der Ausdruck betont, dass man aus eigenen Fehlern am meisten lernt. Besonders im Lernprozess, zum Beispiel beim Deutschlernen, ist es wichtig, Fehler nicht als Misserfolg zu sehen, sondern als Chance, sich zu verbessern. Wer aus seinen Erfahrungen lernt, entwickelt sich weiter.

„Morgenstund hat Gold im Mund“

Die Bedeutung: Ein früher und aktiver Start in den Tag kann sehr wertvoll sein. Es vermittelt die Idee, dass man am Morgen oft produktiver ist und mehr schafft. Ähnlich wie das arabische Sprichwort „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ wird hier die Bedeutung von Disziplin und einem guten Tagesbeginn hervorgehoben.

„Übung macht den Meister“

Besonders beim Lernen oder Training ist dieser Ausdruck sehr weit verbreitet. Er bedeutet, dass man durch regelmäßiges Üben immer besser wird und Fähigkeiten mit der Zeit verbessert. Oft wird er als Ermutigung verwendet, dranzubleiben und nicht aufzugeben.

„Wer zwei Hasen auf einmal jagt, bekommt keinen“

Eine Warnung davor, zu viele Dinge gleichzeitig zu machen. Wenn man zu viele Aufgaben verfolgt, erreicht man am Ende oft nichts. Besser ist es, sich auf eine Sache zu konzentrieren und diese sorgfältig zu erledigen.

„Der Hunger kommt beim Essen“

Gemeint ist: Motivation entsteht oft erst während einer Tätigkeit. Man muss nicht immer schon zu Beginn voller Energie sein; häufig entwickelt sich der Antrieb erst, wenn man angefangen hat. Der Ausdruck ermutigt dazu, einfach loszulegen.

„Arbeit ist die beste Jacke“

Aus dem Alltag stammend betont der Ausdruck, dass Bewegung und Beschäftigung einen „warmhalten“, sowohl körperlich als auch im übertragenen Sinn. Wer aktiv ist und arbeitet, fühlt sich oft besser und ist weniger anfällig für schlechte Laune oder Trägheit.

„Klappe zu, Affe tot“

Der Ausdruck klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber sehr gebräuchlich. Er wird verwendet, wenn eine Situation oder ein Gespräch abrupt beendet wird. Sobald alles gesagt oder erledigt ist, drückt er aus: „Jetzt ist Schluss, das Thema ist abgeschlossen.“

Die längsten deutschen Wörter

Die deutsche Sprache ist bekannt für ihre langen Komposita, also Wörter, die aus mehreren einzelnen Begriffen zusammengesetzt werden und dabei einen neuen, eigenständigen Begriff ergeben. Besonders häufig entstehen solche Zusammensetzungen in Fachbereichen wie Recht, Verwaltung oder Medizin. Die folgenden Beispiele zeigen, wie weit diese Wortbildung gehen kann.

Rechtsschutzversicherungsgesellschaften

Mit 39 Buchstaben bezeichnet dieses Wort Unternehmen, die Versicherungen gegen rechtliche Risiken anbieten. Eine Zeit lang wurde es im Guinness-Buch der Rekorde als längstes deutsches Wort geführt. Heute gilt es vor allem als ein viel zitiertes Beispielwort für deutsche Komposita – im Alltag ist es kaum gebräuchlich.

Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung

Wer in Deutschland ein Fahrzeug zulässt, kommt an dieser Versicherung nicht vorbei: Die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und übernimmt Schäden, die durch einen Unfall an anderen Personen oder Fahrzeugen entstehen. Ohne sie darf kein Fahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen.

Arbeiterunfallversicherungsgesetz

Das „Arbeiterunfallversicherungsgesetz” regelt die Absicherung von Beschäftigten bei Arbeitsunfällen. Dazu sind Arbeitgeber in Deutschland gesetzlich verpflichtet. Im Alltag begegnet einem das Wort kaum, doch es ist ein typisches Beispiel dafür, wie das Deutsche mehrere Begriffe zu einem einzigen langen Wort zusammenfügt.

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Dieses Wort ist eines der wenigen langen Komposita, das tatsächlich im Alltag vorkommt. Es beschreibt die Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel – etwa Milchprodukte, Gluten oder Nüsse – und taucht regelmäßig in medizinischen Zusammenhängen, aber auch in Alltagsgesprächen über Ernährung auf.

Tschechisches Streichholzschächtelchen

Inhaltlich beschreibt es schlicht eine kleine Streichholzschachtel aus Tschechien. Bekannt ist das Wort aber vor allem als Ausspracheübung. Die Kombination aus mehreren schwierigen Lauten und Konsonantenfolgen macht es zu einem beliebten Zungenbrecher für Sprachlernende.

Freundschaftsbeziehungen

Nicht alle langen Wörter entstammen der Fachsprache. „Freundschaftsbeziehungen” beschreibt enge persönliche Verbindungen zwischen Menschen – gut verständlich und im Alltag durchaus gebräuchlich. Es zeigt, dass Länge und Komplexität im Deutschen nicht immer zusammenfallen.

Fragen Sie die Community

Wählen Sie einen Kanal und stellen Sie Ihre offenen Fragen direkt in der Community.

A diverse group of medical students in white coats is sitting together at a table in a classroom, on which various medical instruments are laid out

Kurse zur Vorbereitung auf die berufliche Anerkennung der FIA

Der Freiburger Bund vermittelt internationalen Gesundheitsfachkräften den Zugang zu Qualifizierungskursen seines Partners, der Freiburg International Academy (FIA), die auf die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Deutschland spezialisiert ist.

Mehr erfahren

Tools

Freiburger Bund App – In Kürze verfügbar

Alle Funktionen kostenlos nutzen und unterwegs in Verbindung bleiben. Bald bei Google Play und im App Store verfügbar.


Feedback-Formular

Wir möchten sicherstellen, dass unsere Informationen vollständig, aktuell und hilfreich für Sie sind. Sollten Sie Lücken, Unklarheiten oder Fehler entdecken oder Ergänzungsvorschläge haben, freuen wir uns über Ihr Feedback!

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Hier finden Sie aktuelle Nachrichten, Ressourcen und Anleitungen zum Arbeiten in Deutschland als Arzt, Zahnarzt oder Apotheker.